Entstehung der Grünen

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Der Einzug der Grünen in den Deutschen Bundestag 1983 war mehr als Strickjacken und Turnschuhe. Zwar gab Helmut Kohl den Neuen der Bonner Politik keine zwei Jahre, doch das erwieß sich als Irrtum. Die Wurzeln der Grünen Partei reichen in der 60er Jahre zurück. Zum politischen Programm gehören Wohlstand und Wirtschaftswachstum.

Doch die Kriegsnachwirkungen stecken noch in den Knochen. 1966 sollte eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD gebildet werden. Doch die Studenten zweifeln an der Existenz der Demokratie und daher entwickelte sich die Außerparlamentarische Opposition (APO), die aus 30 Mitgliedern besteht. Mit Unterstützung der Gewerkschaften wollen die jungen Akademiker Deutschland verändern. Als ideologische Basis dient ihnen Herbert Marcuses kapitalismuskritisches Werk „Der eindimensionale Mensch“ und die Frankfurter Schule um die Schule der Philosophen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Während vielen Demonstrationen kommt zu gewalttätigen Zwischenfällen. Am 30. Mail 1968, als der Bundestag die Notstandsgesetze verkündet, verliert die Studentische Bewegung an Boden und die APO und SDS lösen sich auf. Bei einer Demonstration haben sich zwei Demonstranten Plakate auf den Rücken geheftet, auf denen die Friedenstaube zu sehen ist.

Das Symbol der Friedensbewegung
Die Menschen in Deutschland fordern eine neue Politik und es entwickeln sich viele „neue soziale Bewegungen“, die sich mit den Themen Umwelt, Frieden und Frauenrechte befassen. Sie gehen dabei ungewohnte Wege und veranstalten Demonstrationen, Blockaden und Hausbesetzungen. Schlagwörter dieser Zeit sind Atomenergie und Kalter Krieg. Sie finden vor allem in der Umweltschutz- und Friedensbewegung Anklang. Die Menschen sind beunruhigt und an vielen Orten entstehen Bürgerinitiativen gegen geplante Großprojekte wie Atomkraftwerkein Wyhl (1975), Brokdorf (1976) oder Grohnde (1977) sowie den schnellen Brüter in Kalkar (1977). Am Bohrloch in Gorleben rufen Demonstranten 1980 die „Republik freies Wendland“ aus. Die Polizei räumt im Anschluss das Gelände. Nachdem der Bundestag 1979 dem Nato-Doppelbeschluss zugestimmt hat, atomare Mittelstreckenraketen des Typs Pershing II in der Deutschland zu stationieren, wird aus der Friedens- eine Massenbewegung. In den folgenden drei Jahren gehen Hunderttausende auf die Straße, um dagegen zu protestieren. Doch bleibt dies ohne Erfolg, denn 1983 wird die Raketenstationierung beschlossen.

Dieses führt Ende der 1970er Jahre zu einem Umdenken innerhalb der Bürgerinitiativen. Am 11. Mai 1977 wird die erste Umweltschutzpartei in Niedersachsen gegründet. In Hildesheim entsteht die „Grüne Liste Umweltschutz“ (GLU), die es innerhalb eines Monats in den dortigen Kreistag schafft. Die beiden Gruppen schließen sich zur „Grünen Liste Umweltschutz“ (GLU) zum ersten Landesverband zusammen und erhalten bei der niedersächsischen Landtagswahl im Juni 1978 bereits 3,7 Prozent der Stimmen. Die Wahl ist für diese junge Öko-Partei ein Erfolg auch wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde nicht erreichen. Der Partei werden im Anschluss die Wahlkampfkosten in Höhe von 715.000 DM erstattet.

1978 folgt man dem Beispiel der niedersächsischen Umweltbewegung. Die ehemaligen Umwelt- und Friedensaktivisten organisieren sich in „grünen“, „bunten“ oder „alternativen“ Listen und Vereinigungen. Sie haben das gemeinsame Ziel, das ökologische Bewusstsein in die Politik zu bringen. Auf ihrem Wahlplakat ist ein großer Wirsingkohl zu sehen. Darüber steht in grünen Buchstaben. „Das Gift in unserer Nahrung ist unsichtbar!“ Darunter steht in gelber Schrift: „Chemie gehört nicht auf dem Speiseplan!“ Und in einem grünen Kreis steht in weißen Buchstaben, die sich um eine Sonnenblume schlängeln: „Alternative: Die Grünen“. Da die einzelnen Gruppen zu klein sind, sind ihre Chancen auf einen Wahlerfolg schwindend gering. Daher schlägt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz vor, gemeinsam an der Europawahl teilzunehmen.

1979 wird die „Sonstige Politische Vereinigung (SPV)/Die Grünen“ gegründet. Spitzenkandidaten sind der ehemalige CDU-Mann Herbert Gruhl, Petra Kelly und der Künstler Joseph Beuys. Doch sie schaffen es nicht, die SPV/Die Grünen über die Fünf-Prozent-Hürde zu tragen. Doch ihnen werden 4,5 Millionen DM Wahlkampfkosten erstattet. Im Januar 1980 wird in Karlsruhe aus der SPV/Die Grünen, die Bundespartei „Die Grünen“.

Die Grünen feiern 1983 den Einzug in den Bundestag
Für die Grünen bietet sich ganz unerwartet eine Chance, als die rot-gelbe Regierungskoalition zerbricht. Durch das anschließende Misstrauensvotum von FDP und CDU verliert der amtierende Kanzler Helmut Schmidt sein Amt und Kohl wird sein Nachfolger. Am 6. März 1983 erreichen die Grünen bei den vorgezogenen Neuwahlen 5,6 Prozent der Stimmen und somit ist die Fünf-Prozent-Hürde erreicht und die grünen Abgeordneten ziehen in den Deutschen Bundestag ein.

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