Atommüll

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Seit Beginn der Kernenergie in den 1950er Jahren, wurde noch keine Lösung für den hochradioaktiven Atommüll gefunden. Hunderte Tonnen an Müll fallen jährlich an, dazu kommen Abfälle aus Wiederaufbereitungsanlagen, Brennfabriken, Urananreicherungsanlagen, und stillgelegten Reaktoren.

Utopie Brennstoffkreislauf
Die deutschen Atomgesetze besagen, dass Kernkraftwerke nur dann betrieben werden dürfen, wenn sie einen Entsorgungsnachweis haben. Dabei darf der deutsche Atommüll nicht exportiert werden. Die Atomkraftgegner weisen immer wieder darauf hin, dass die Entsorgung des Atommülls nicht anforderungsgemäß verläuft. Bis 2005 wurde ein großer Teil der Brennstäbe zur Wiederaufbereitung nach Großbritannien oder Frankreich geschickt. Der dabei anfallende Müll muss wieder zurückgenommen und in Zwischenlagern gelagert werden. Diese Transporte sind seit Mitte 2005 gesetzlich verboten. Die Rücktransporte von aufbereitetem Müll, finden aber dennoch statt.

Zwischenlager Gorleben
Die Brennstäbe müssen heutzutage so lange in Zwischenlagern bleiben, bis der radioaktive Müll in ein Endlager transportiert werden kann. In riesigen überirdischen Hallen wird der Abfall gelagert. Sie befinden sich zum Großteil auf dem Betriebsgelände der Kernkraftwerke, darüber hinaus gibt es noch 3 weitere Zwischenlager in Ahaus, Greifswald und Gorleben. Die Zwischenlager haben eine Betriebserlaubnis für die Dauer von 40 Jahren. Die Bundesregierung geht davon aus, dass bis 2030 ein geeignetes Endlager gefunden wird.

Zuerst wurde davon ausgegangen, dass es einen sogenannten Brennstoffkreislauf bei der Nutzung der Kernenergie gibt. Doch die Wiederaufbereitung stellt nur eine Verschiebung des Atommüll-Problems dar, denn nur ein Teil des Materials kann in neu hergestellten Brennelementen wieder verwertet werden. Der restliche Teil ist atomarer Müll und ist vom Volumen noch größer, als die anfänglichen Brennelemente.

Abläufe in der Wiederaufbereitung
In der Wiederaufbereitungsanlage werden die verbrauchten Brennelemente in ihre Bestandteile zerlegt, um daraus wieder spaltbares Material, wie Uran 235 und Plutonium 239 gewinnen zu können. Danach wird ihr Inhalt in Salpetersäure aufgelöst. Durch diesen chemischen Prozess werden Uran und Plutonium isoliert. Wiederaufbereitungsanlagen geben im Normalbetrieb größere Mengen an radioaktiven Substanzen an die Umwelt ab, als Kernkraftwerke. Die Transporte zu den Wiederaufbereitungsanlagen und zurück in die deutschen Zwischenlage haben immer für große Proteste in der Bevölkerung hervorgerufen. Es gibt in Europa zwei Wiederaufbereitungsanlagen, die in Betrieb sind. Sellafield in Großbritannien und La Hague in Frankreich.

Der Castor rollt
Der Transport des Atommülls bringt einige Risiken mit sich. Der Atommüll wird weltweit ständig befördert. Per Bahn, Lastwagen, Schiff oder Flugzeug. Uran wird aus Abbaugebieten in Kanada, Australien oder Afrika in sogenannten Konversionsanlagen zum Brennelement befördert. Von dort gelangt es in eine Urananreicherungsanlage, die sich auch in Deutschland (Gronau) befindet. Das Material wird von dort aus in Brennelementfabriken geschickt. Die produzierten Brennstäbe werden in Kernkraftwerke transportiert. Ihre Lebensdauer beträgt drei bis fünf Jahre. Dann sind sie ausgebrannt und müssen in eine Zwischenlager transportiert werden. Somit werden jährlich hunderttausend Transporte mit radioaktivem Material gemacht.

Streng bewacht
Atomkraftgegner befürchten neben den Unfallgefahren auch Sicherheitsmängel bei den Transportbehältern. Die radioaktive Strahlung kann von den Castor-Behältern nicht vollständig abgeschirmt werden. Dabei ist besonders die Neutronenstrahlung wesentlich gefährlicher, als bisher angenommen. Das fand der Nuklearmediziner Professor Horst Kuni 1995 heraus. Radioaktive Stoffe geben zwei Arten von Strahlung ab, die eine ionisierende Wirkung in lebenden Zellen haben kann. Es kann Krebs auslösen oder Genveränderungen verursachen. Zur Teilchenstrahlung zählen Neutronen-, Alpha- oder Betastrahlen. Sie haben nur eine geringe Reichweite. Bei der Alphastrahlung beträgt sie einige Zentimeter in der Luft und im menschlichen Geweben Bruchteile von Millimetern. Betastrahlen haben eine Reichweite bis zu einem Zentimeter. Sie sind dann schädlich, wenn sie über die Nahrung aufgenommen oder eingeatmet werden. Bei undichten Transportbehältern könnte daraus eine große Gefahr entstehen.

Die Reichweite von Neutronenstrahlungen liegt bei mehreren hundert Metern. Sie wirkt von außen auf den Körper ein, weswegen befürchtet wird, dass das Begleitpersonal von Castor-Transporten durch die Neutronenstrahlung hoch belastet wird. Zur Strahlenbelastung gehören auch die Gammastrahlen. Sie treten wie Röntgenstrahlen als elektromagnetische Wellenstrahlung auf und haben eine hohe Reichweite. Sie durchdringen das menschliche Gewebe leicht und können somit von außen auf den Körper einwirken.

Fässer im Endlager Morsleben
Der radioaktive Müll muss auf Dauer sicher eingelagert werden und das kann eine Dauer von Millionen von Jahren betragen. Radioaktive Elemente sind chemische Elemente, die unter Aussendung einer unsichtbaren Strahlung zerfallen. Diese Strahlung verliert erst dann ihre Gefährlichkeit, bis die radioaktiven Stoffe in nicht radioaktive Stoffe zerfallen sind. Dieser Zeitraum in der eine gegebene Menge eines radioaktiven Strahlers zur Hälfte zerfallen ist, wird als Halbwertzeit bezeichnet. Bei der Tschernobyl-Katastrophe lag diese für die Stoffe Cäsium-137 und Strontium-90 bei 30 und 28,1 Jahren. Es gibt aber Bestandteile radioaktiver Abfälle, die dafür wesentlich länger brauchen, wie beispielsweise Technetium-99 (210.000) Jahre oder Neptunium-237 (2,1 Millionen Jahre). Daher ist die Suche nach einem geeigneten Standort äußerst schwierig, denn niemand kann vorhersagen, was in 500.000 Jahren passiert. 2010 veranlasste Norbert Röttgen (CDU) eine erneute Erkundung des Salzstocks Gorleben, als mögliches Endlager. Die rot-grüne Umweltregierung hatte diese Untersuchung 10 Jahre zuvor gestoppt. Das Ergebnis des Verfahrens sei noch offen und es werde auch über Standortalternativen nachgedacht, sagte Röttgen. Auch Ton- und Granitgestein solle noch als Eignung als Endlager untersucht werden. Diese sollen bis 2017 andauern.

Das KKW Rheinsberg
Radioaktiver Müll fällt nicht nur durch Brennelemente an, sondern auch durch schwache und mittelaktive Abfälle durch Kleidung, Putzwolle, Papier, Wischtücher, Messgeräte, Schrauben, Folien, Werkzeuge uvm. Auch Materialfehler und Materialmängel tragen zum Wachsen des Müllbergs bei. Beispielsweise waren in einigen Kernkraftwerken die Frischdampf- und Speisewasserleitungen aus ungeeignetem Material gefertigt. Aus diesem Grund mussten Ende der 80er Jahre 12.900 Meter Rohrleitungen und 760 Armaturen gewechselt werden. Die Lebenszeit eines deutschen Kernreaktors liegt bei 32 Jahren.

Das AKW Stade musste schließen
2003 wurde das Atomkraftwerk Stade bei Hamburg abgeschaltet. Dafür ist ein direkter Rückbau geplant, der Ende 2015 beendet sein soll. Die Kosten dafür liegen bei einer halben Milliarde Euro. Diese Kosten sind kalkulatorisch im Strompreis enthalten Beim Abriss fallen Castor-Transporte von 35 bis 40 Behältern schon allein für die abgebrannten Brennelemente und hochaktiven Abfälle an. Es müssen außerdem 100.000 Tonnen Beton und Stahl entsorgt werden. Darüber hinaus sollen 2000 bis 3000 Tonnen schwach- und mittelradioaktives Material für ca. 40 Jahre auf dem Gelände in einem neuen Zwischenlager deponiert werden.

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